Depression aus den Augen der Angehörigen - Teil 11- Weihnachts- und Neujahrsspecial

Trauer verläuft nicht linear. Es ist nicht am ersten Tag am schlimmsten und wird dann stetig besser bis nichts mehr übrig ist. Manchmal ist sie da, manchmal ist es besser, manchmal ist es schlimmer.

Die klassischen Trauertage sind Weihnachten und Geburtstage etc. Bei mir waren es dieses Jahr Silvester und Neujahr. An Weihnachten selbst war ich zu sehr damit beschäftigt danach zu sehen, dass es meiner Mama gut geht. Da kam ich nicht so sehr dazu selbst zu trauern. Das ist auch in Ordnung so.

Silvester war da schwieriger. 2015 war ein schweres Jahr für mich, indem viel passiert ist und sich viel verändert hat. Ich habe Abitur und den Führerschein gemacht, mein Opa wurde in die Psychiatrie eingewiesen und hat einen Selbstmord begangen, ich bin von Zuhause ausgezogen in eine andere Stadt und habe angefangen zu studieren.

2015 war sicherlich keine schlechtes Jahr, es ist auch Gutes passiert. Mein Leben hat sich nur einfach komplett verändert und ich habe mich noch nicht daran gewöhnt. Ich habe mich verändert. Meine Familie hat sich verändert.

Ich finde es wird viel zu wenig zum Thema gemacht, wie Selbstmord oder generell Tod in der Familie auch die Beziehung der Angehörigen untereinander verändert. Die Veränderung ist nämlich keineswegs unerheblich. Alle sind emotional überfordert und zusätzlich gibt es neue Aufgaben um die sich die Hinterbliebenen kümmern müssen, die sie vielleicht nicht nur emotional sondern auch fachlich überfordern. Wie organisieren wir die Beerdigung? Was passiert mit den Sachen/ Besitztümern des Verstorbenen? Eventuell gibt es auch ein Haus oder eine Wohnung die leer geräumt werden muss und wieder abgegeben oder verkauft werden soll.

Es ist gut Geschwister zu haben, sodass man nicht alleine hinter einem Sarg hergehen muss, aber das ganze Drumherum eines Todesfalls bietet ein ungeheuer großes Feld für Konflikte. Gerade da, wo die emotionale Bindung groß ist fällt es schwer Kompromisse einzugehen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich so viele Geschwister nach dem Tod eines Elternteils erstmal entzweien und Probleme haben gemeinsam mit der Situation umzugehen.

Man verhält sich ungerecht und unangemessen. Wer will es einem verdenken, man hat gerade ein Familienmitglied verloren. Aber in der Familie untereinander ist es schwieriger.

Gleichzeitig gibt es dann auch dieses unheimlich starke Gefühl des Zusammenhalts untereinander.

Es ist wichtig den Mittelweg zu finden. So schwer es manchmal ist, die Familie ist wichtig um mit Schicksalsschlägen umgehen zu können. In solchen Extremsituationen muss man sicherlich mehr hinnehmen und verzeihen können und das kann eine Familie ganz schön auf die Probe stellen.

22.1.16 13:59

Letzte Einträge: Optimist, Realist, Pessimist?, An die Autofahrer hinter mir, Heimat, Die Wolken ziehen, Positive Psychologie im Selbstversuch – Teil 1 – Probieren geht über Studieren!

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen

Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung