Aus meinen alten Tagebüchern 1

Ich habe heute ein altes Tagebuch von mir gefunden. Beim Durchblättern ist mir eine Eintrag ins Auge gefallen, den ich geschrieben habe als ich sechzehn war:

 

Was ist unser Leben doch flüchtiger Traum, begonnen zeronnen, beendet und neu begonnen.

Kreis des Lebens, so heißt es.

Wir stehen auf, essen, beschäftigen uns, arbeiten vielleicht, haben das Gefühl, dass das Leben eigentlich mehr zu bieten haben müsste, gehen schlafen und beginnen von neu.

Es macht uns nicht glücklich und füllt uns nicht aus und doch haben wir Angst vor allem was anders ist. 

Um in den Kreis hinein zu passen haben wir uns verbogen, selbst belogen und verleugnet, obwohl wir den Kreis hassen fürchten wir ihn zu verliehren, denn was bliebe dann noch übrig von uns? Nachdem wir uns verbogen, selbst belogen und verleugnet haben?

Wir sagen wir wollen mehr Wahrheit.

Ohne zu wissen was das eigenlich ist, ohne damit leben zu können und ohne diese einzusehen.

Wir wollen keine Wahrheit.

Wir wollen Lügen, die das Trugbild bestätigen, dass uns am Leben hält und uns betäubt.

Wir wollen keine Wahrheit, das können wir gar nicht.

"Die Zeit heilt alle Wunden", so heißt es, doch auch das ist gelogen.

Die Zeit heilt keine Wunden, wir gewöhnen uns nur mit der Zeit an die Schmerzen.

Dinge, die man gewöhnt ist, die nimmt man kaum noch war.

Wir werden stumpfer und dumpfer, suchen uns selbst und haben Angst uns zu finden.

Weil wir dumpfer werden drehn' wir die Musik weiter auf, reden etwas lauter und trinken etwas mehr.

Alles nur, um nicht zu hören, dass wir taub und trüb geworden sind.

Um das Armselige dieses Bildes zu überspielen sagen wir sachen wie : "wer nicht kotzt hat nicht gefeiert!" und fühlen uns frei und unabhängig dabei.

Wir wollen nicht, dass es still wird, denn dann würden wir anfangen zu fühlen und das würde weh tun.

Wir halten uns für selbstbestimmt und fressen brav immer weiter hinein ins Elend dieser Welt. Es ist uns egal geworden, denn wissen tut es jeder.

Wir sagen: "einer kann eh nichts ändern", damir wir uns weniger schlecht fühlen, für das was wir tun.

Von dem was wir essen sterben anderswo Kinder. Das nennen wir "freie Marktwirtschaft", "Globalisierung" und "der Lauf der Dinge".

Wir müssen unbedingt erfolgreicht sein, denn was bliebe sonst noch übrig von uns? Dabei überfordert es uns schon einfach nur zu existieren.

Wir foltern und töten unsere Mitgeschöpfe. Vielleicht, weil sie es besser können als wir.

"Wir sagen wir wünschen uns Ehrlichkeit, was wir damit meinen sind Menschen, die unsere Art zu lügen verstehen."

Und wenn es regnet riecht die Luft ganz zart nach nassem Asphalt und die Erde dreht sich für uns trotzdem nicht schneller.

Vielleicht verstehen wir es nie.

 

 

 

Ich weiß nicht, was mich daran mehr erschreckt: die Einsicht, dass ich damals anscheinend keine wirklich gute Zeit hatte, oder die Befürchtung, dass ich mit dem ein oder anderen Recht gehabt haben könnte.

 

3.8.15 20:48

Letzte Einträge: Optimist, Realist, Pessimist?, An die Autofahrer hinter mir, Depression aus den Augen der Angehörigen - Teil 11- Weihnachts- und Neujahrsspecial , Heimat, Die Wolken ziehen, Positive Psychologie im Selbstversuch – Teil 1 – Probieren geht über Studieren!

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen

Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung